Moin,
ich glaube ich zähle als alter Hase ;-)
Ich bin mal ganz egoistisch: für mich erfüllt Ludomaniac seinen Zweck genauso gut wie die letzten 14 Jahre: wenn ich eine Partie spielen will, finde ich in endlicher Zeit 6 Mitstreiter und einen Spielleiter um genau das zu tun. Ob so eine Partie dann innerhalb von 2 Tagen oder 3 Wochen voll ist, stört mich bei einer Partielänge von bis zu einem Jahr wenig. Ob "mehr" automatisch "besser" ist, bin ich mir an dieser Stelle nicht sicher.
Mehr Spieler sind natürlich toll, mehr interessante Spiele, mehr neue Ideen, "mehr Leben in der Bude". Klar. "Viel mehr" bedeutet aber auch Anonymität und Beliebigkeit. Diplomacy hat seine Macken als Spiel, schnell ist man in einer Position die frustrierend ist, man muss aber durchhalten um seinen Mitspielern das Spiel nicht kaputt zu machen.
Ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder andere Diplomacy-Seiten mit schnellen automatisierten Spielen ausprobiert. Gewonnen wurden die Partien meist nicht von den besten Strategen, sondern von denen mit den Nachbarn die am schnellsten die Lust verloren haben nach einem kleinen Überfall.
Eine übersichtliche Gemeinschaft an vernünftigen Spielern steuert gut dagegen. Man trifft sich nicht nur zweimal im Leben sondern mehrfach bei Ludo

)
Ich mag Ludomaniac, gerade weil es etwas "aus der Zeit gefallen" ist. Das Forum ist ein Forum und kein Board. Man postet ganz natürlich mit seinem Namen. Man mailt seine Züge per Texteingabe an den Spielleiter. Der Spielleiter braucht man 5min mal einen halben Tag zum auswerten. Die Mitspieler sind auch mal in Urlaub. Für mich sind das viele kleine Details die den "Geist" eines Brettspiels gut hier einfangen. Es fühlt sich mehr nach eine Treffen von Freunden an, die bei jemand um den Küchentisch sitzen und was spielen und nebenbei schwatzen, als um ein Webangebot für ein "Multiplayer-Strategiespiel".
Das Hobby bekannter machen, ist sicher gut. Gerade weil die FTF-Angebote ruhig belebter sein könnten. (ganz egoistisch leidet dort nämlich meine Spielumgebung ;-)
Woran der Rückgang die letzten Jahre lag, weiss ich nicht, ich kann nur wild spekulieren: Diplomacy ist ein sperriges Spiel mit seinen Macken. Da gibt es mittlerweile ein breites Angebot an viel leichter zugänglicheren Brettspielen die ganz ähnliche Komponenten wie Diplomacy enthalten. Gewagte These: hat der allgemeine "Boom" an Brettspielen dafür gesorgt dass immer weniger Spieler mit Diplomacy in Berührung kommen? Mir hat vor 15 Jahren mein Bruder bei einem Umzug 4-5 Spiele in die Hand gedrückt, darunter auch Diplomacy. Das hab ich dann irgendwann mit paar Freunden ausprobiert. Und ich war begeistert von den klaren Reglen, von der Interaktion mit den Mitspielern. Da habe ich gerne über die lange Spieldauer hinweggesehen, oder dass jemand, der früh ausscheidet, nur doof rumsitzt.
Die gleiche Szene heutzutage würde wohl anders verlaufen, ich würde 10-15 Spiele bekommen. Diplomacy würde ich vielleicht ausprobieren, finde Spielelemente, die ich in anderen Spielen auch habe, dafür mit viel längerer Spielzeit, und der erste der ausscheidet wird darauf bestehen, beim nächsten mal doch lieber was anderes zu spielen.
Heute ist die Brettspiel-Auswahl riesig, auch für 6-7 Spieler, viele Spiele sind leichter zugänglich und sind Spiele-Abend-freundlicher.
Es hat seine Gründe warum ich früher 3-4 Diplomacy-Treffen pro Jahr gespielt habe und heutzutage nur noch ein Diplomacy-Wochenende und 2-3 Brettspiel-Wochenende mache.
Diplomacy ist nicht schlechter geworden, nur die "Konkurrenz" ist besser/vielfältiger geworden. Packt man heute Diplomacy nach dem ersten ausprobieren wieder weg, kommt man erst gar nicht auf die Idee, dazu im Web was zu suchen. So bin ich damals auf Ludomaniac gestossen, nicht um es per eMail zu spielen, sondern auf der Suche nach Regelerklärungen und Spiele-Tips für den zweiten und dritten Diplomacy-"Abend" (eher "Nacht") mit Freunden.
Um nochmal zu Ausgangspunkt meines Geschreibsels zurückzukommen: ich mag Ludomaniac so sehr, weil es eben anders ist als viele andere Angebote. Persönlicher, verschrobener, weniger "technisch". Und bislang erfüllt es für mich seinen Zweck: 7 Spieler und einen Spielleiter zusammenzubringen.
Martin